Donnerstag, 4. Februar 2010

Dante's Inferno - Death Edition

Aus einer göttlichen Komödie wird ein höllisches Gemetzel. (Sehr) Frei nach dem Vorbild des berühmten Werks vom italienischen Dichter Dante Alighieri (1265 – 1321), mischt Dante die Hölle auf, um seine Geliebte Beatrice zu befreien. Wie gut sich die christliche Mythologie für Hack’n’Slays eignet, hat sich bereits bei Darksiders gezeigt, und Dante’s Inferno will da natürlich nicht hinten anstehen.


Dante’s Inferno
(EA / Visceral)

VÖ: 04.02.10
Genre: Hack’n Slay

USK: 18
PEGI: 18+

Amazon: 84,90€, Joypoint: 64,90€
gekauft am 03.02.10 für 53,00€

Trailer im Februar-Preview!


Beschreibung:

Dante’s Inferno ist ein reines Hack’n’Slay mit zwei Vorbildern: neben Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ haben die Entwickler ordentlich beim Genreprimus God of War abgeschaut. Aber wie schon bei The Saboteur stellt sich die Frage: Warum nicht Bewährtes zusammenklauen, um ein gutes Spiel herzustellen?
Dante‘s Inferno beginnt mit den Kreuzzügen, in denen Dante ums Leben kommt. Da er aber an die Absolution durch die Teilnahme an den Kreuzzügen glaubt, legt er sich eben mit dem Tod höchstpersönlich an und nimmt diesem im ersten richtigen Kampf des Spiels seine Sense ab. Wieder zu Hause muss Dante aber erkennen, dass sein Vater und seine Geliebte Beatrice ermordet wurden – er muss sogar mit ansehen, wie Beatrice in die Unterwelt gezogen wird. Dort beginnt Dantes Reise in die Hölle, die ihn durch den Limbus und immer tiefer in die trichterförmige Hölle, wie sie sich Dante Alighieri vorstellte. Dabei ist er aber nicht allein, sondern hat in Virgil einen Führer für die Unterwelt an seiner Seite. Aber auch mehr oder weniger berühmte Bewohner der Hölle trifft Dante auf seinem Weg: so begegnet einem z.B. gleich zu Beginn Pontius Pilatus, den man entweder von seinen Sünden erlösen oder ihn für diese bestrafen kann. Insgesamt gibt es 27 Totengeister, die der antiken, der biblischen oder der mittelalterlichen Geschichte entstammen – viele, die heute schon wieder in Vergessenheit geraten sind. Besonders gelungen ist dabei die von Dante beschriebene Atmosphäre, die das Spiel sehr gut wiedergibt. Die Zustände in der Hölle werden ohne Kompromisse abgebildet und wie mittelalterliche Dichtung so ist, ist das kein schöner Anblick: überall werden verbrannte Körper gequält, die schreien und jammern. Gigantische Herrscher über die Reiche, in die die Sünder gemäß ihrer Sünden eingeteilt werden wie z.B. Wollust, Habgier oder Verrat. Jedes dieser Reiche muss mit samt seiner Bewohner und einem Boss bezwungen werden. So richtet beispielsweise König Minos im Limbus über alle Sünder und teilt sie ihrem Schicksal zu – um tiefer in die Hölle vorzudringen, muss er aber erstmal bezwungen werden. Soweit zur Geschichte, die sich erstaunlich genau an das Vorbild hält…
Das Kampfsystem ist zu weiten Teilen von God of War abgekupfert worden. Mit der Sense des Todes metzeln sich Dante durch die Horden der Hölle. Dabei stehen im viele verschiedene Moves zur Verfügung, die mittels eines guten Upgrade-Systems freigeschaltet werden müssen. Interessant daran: Je nach der persönlichen Entscheidung können Gegner per Finishing-Move, der immer aus einem kleinen QTE besteht, entweder von ihren Sünden erlöst oder für diese bestraft werden. Dafür gibt es entweder heilige oder eben unheilige Punkte und Seelen – die Punkte nützen der Erfahrung, die benötigt wird, um neue Manöver freizuschalten und die Seelen dienen der Bezahlung der Moves. Ebenso können die angetroffenen Totengeister gerichtet werden, aber diese geben besonders viele Erfahrungspunkte, weshalb sich die Suche lohnt. Etwas verwunderlich dabei ist, dass diese bei Bestrafung einfach niedergemetzelt werden, bei Erlösung aber ein lächerliches Minispiel beginnt: auf ein Kreuz, das mit den Contoller-Symbolen versehen ist, kommen Sünden zugeflogen und dann muss zur richtigen Zeit das richtige Symbol gedrückt werden (die Entwickler haben wohl in ihrer Freizeit zu viel Guitar Hero gespielt). Im weiteren Verlauf des Spiels erlernt Dante aber auch heilige und unheilige Magie und sammelt Reliquien und die 30 Münzen, die Judas für seinen Verrat an Jesus bekommen hat. Alles Sammelbare verschafft Dante immer einen gewissen Bonus, der je nach Bedarf an-und abgelegt werden kann (Ein Hauch von Rollenspiel also auch noch!). Da die Level aber nicht besonders groß sind und es nicht viele Abzweigungen gibt, sind die Reliqien, Münzen und Totengeister aber auch relativ leicht zu finden. Leicht trifft leider auch auf die Räsel zu, denn diese sind erstens recht selten und zweitens recht simpel. Zumeist muss eine Kiste oder eine Statue verschoben und dann ein Hebel gezogen werden. Ausgeglichener sind da schon die Boss-Kämpfe, denn hier ist nicht nur reines Gemetzel an der Tagesordnung, sondern ein wenig Strategie gefragt. Ist der Boss dann genügend geschwächt, wird er wie bei God of War per Quick Time Event besiegt – selbstverständlich actionreich und blutig inszeniert.
Insgesamt kann Dante’s Inferno also vor allem in Sachen Detailtreue und Umsetzung enorm punkten und hat sich den Kampfstil von God of War angeeignet. Besonders für Freunde der christlichen Mythologie ist das ein gefundenes Fressen, aber auch für alle anderen Hack’n’Slay-Fans dürfte sich das Spiel lohnen.


Zum Inhalt der Death Edition:


Die Death Edition kommt in einer schicken 3D-Effekt-Hülle daher, hat aber auch innen eine schöne Pappverpackung – keine normale PS3 Hülle also. Der Grund ist einfach: die beiliegende Extra-DVD braucht schließlich einen eigenen Steckplatz. Sie beinhaltet eine Making-of-Doku, ein digitales Artbook, einige Download-Codes (u.a. für den Soundtrack) und anderen kleinen Schnick-Schnack. Bis auf die Doku, die recht interessant ist, gibt es also keine sinnvollen Ergänzungen oder Vorteile gegenüber der normalen Version. Relativiert wird das natürlich durch den Preisaufschlag von nur 1€ – ja, einem Euro! – gegenüber der einfachen Version.
(Da diese Version nur einmal ausgeliefert wurde und es danach nur die normale Version geben wird, ist der Preis bei einigen Anbietern natürlich in astronomische Höhen gestiegen; das ist aber völlig ungerechtfertigt.)


Bewertung:

Gameplay und Story (35%): Note 2,0
- besonders gut gelungen sind die Story, wobei hier in erster Linie natürlich Dante Alighieri verantwortlich ist, sowie die dazugehörige höllische Atmosphäre, die die Entwickler sehr schön umgesetzt haben
- das Gameplay ist trotz einer Vielzahl von Moves immer so wie es sich für ein anständiges Hack’n’Slay gehört: schnell, einfach und effektiv; auch die Freischaltung der Moves mit den beiden verschiedenen Pfaden von Himmel und Hölle in unterschiedlichen Sets ist sehr gut gelungen
- die „Rätsel“, die ab und zu das Gemetzel auflockern sollen, sind aber leider immer viel zu leicht und durchschaubar: Kiste hierher, Säule dahin, Hebel ziehen, fertig!
- und trotz eines gesamten Werks als Vorbild kommen nur ca. 10 Stunden Spielzeit zusammen, wobei sich einiges sogar wiederholt und damit noch gestreckt wirkt
- nervig ist der sogar für ein Hack’n’Slay übermäßige Einsatz von Button-Mashing, besonders der Kreis-Button wird ständig malträtiert: Brunnen/Türen öffnen und Absolutionen erteilen könnten schnell zu gebrochenen Daumen führen
Grafik (20%): Note 2,0
- grafisch kann Dante’s Inferno nicht mit den absoluten Top-Titeln mithalten, gleicht das aber durch extrem kreative Gestaltung der Hölle wieder aus
- auch sehr lobenswert ist die Tatsache, dass jeder Zirkel der Hölle seine eigene kleine Welt mit eigenen Gegnern und einem riesigen Boss hat
- da sich die Kamera aber leider nicht drehen lässt, übersieht man schonmal einen Gegner komplett, verpasst einen Finishing-Move und damit die Extra-Punkte oder verschätzt sich öfters bei Entfernungen
- außerdem ist mir unverständlich, weshalb manche Zwischensequenzen in wirklich grandioser, realistischer Darstellung gezeigt werden, während andere in Comic-Sequenzen daherkommen, die nichts besonderes haben und auch nicht wirklich zum Rest des Spiels passen
Musik / Sprachausgabe (15%): Note 1,7
- bombastischer Sound , Jammern und Schreien wohin man hört und endlich mal eine gelungene deutsche Synchronisation mit nur einer Ausnahme: Dante selbst (mit einem guten Dante-Sprecher hätte es eine 1,0 gegeben)
Schwierigkeit (10%): Note 2,0
- das Spiel ist selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad nicht dafür gedacht, mal eben durchzulaufen und alles niederzumachen, sondern die Gegner – vor allem in Massen – fordern mit der Zeit vollen Einsatz
Beschreibung / Menüführung / Tutorial (10%): Note 1,0
- durchweg gelungen – gute, ausführliche Beschreibung, einfache, übersichtliche Menüführung und ständig anzeigbare Tutorials können auf ganzer Linie überzeugen
Trophäen (5%): Note 1,7
- 26x Bronze, 13x Silber, 3x Gold und die obligatorische Platin-Trophäe gibt es zu ergattern
- sehr schön: trotz der vier Schwierigkeitsgrade braucht man nicht alle durchzuspielen, sondern kann alles in einem Durchlauf erledigen, aber Vorsicht: es gibt auch neben den Sammeltrophäen noch Trophäen, die verpasst werden können (vorher nachschauen, welche Totengeister man erlösen muss und nicht bestrafen darf!)
Wiederspielwert (5%): Note 3,0
- da es insgesamt ein durchgehendes Gemetzel ist, lohnt sich das erneute Spielen nur dann, wenn man auf alle Trophäen aus ist und noch was zum Sammeln offen hat

Gesamteindruck: Note 2,0
Dante’s Inferno lohnt sich als reines Hack’n’Slay mit guter Geschichte auf jeden Fall. Dabei überzeugen vor allem die Grafik und das Gameplay über weite Strecken. Das gesamte Setting richtet sich dabei an Erwachsene, denn ohne Kompromisse wird hier weder auf Kirchenkritik, Brüste, kreativ-absurde Höllengestalten oder das richtige Maß an Gewalt verzichtet. Aufgrund der geringen Spielzeit ist es aber auch „nur“ was für Zwischendurch und nichts, woran man längere Zeit sitzt.

P.S.: Vielleicht haben die Entwickler das auch selbst bereits gemerkt und mit dem ersten DLC „Trials of St. Lucia“ ein paar Erweiterungen angekündigt. Dann wird es neben einem neuen spielbaren Charakter auch einen Ko-op-Modus geben und einen Editor, mit dem jeder Spieler seine eigenen Herausforderungen erstellen kann, die dann der Community zur Verfügung gestellt werden. Hier der Trailer zum DLC:




Extra-Video-Service:

Alle 30 Judas-Münzen findet ihr so: Video 1, Video 2, Video 3
Alle 31 Reliquien gibt's hier: Video 1, Video 2, Video 3
Alle 27 Verdammte verstecken sich hier: Video
... und die 3 Beatrice-Steine sind hier:
Video 1, Video 2, Video 3

Kommentare:

  1. "Wiederspielwert (5%): Note 3,0
    - da es insgesamt ein durchgehendes Gemetzel ist, lohnt sich das erneute Spielen nur dann, wenn man auf alle Trophäen aus ist, noch was zum Sammeln offen hat oder man der Freundin die Geschichte nochmal vorspielen muss" ^^

    Die klingt nämlich echt interessant! Und ich kann entweder "BESTRAFEN!" oder "ERLÖSEN!" brüllen, find ich sehr sehr gut ;)

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  2. Stroymäßig ist das auch sehr gut, außerdem kann ich dann auch fehlende Trophäen einsammeln - hab nämlich eben mal aus versehen den falschen bestraft, weil ich unheilige Punkte brauchte. Dafür ist die silberne Trophy erstmal weg...

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  3. Ok, kleine Verbesserung: Man muss das Spiel für alle Trophäen zweimal durchspielen, denn es gibt zu wenig Seelen, so dass man nicht beide Pfade komplett laufen kann - nichtmal mit den dämlich 10.000 Extra-Seelen aus dem PS-Store für insgesamt total übertriebene 6,97€. Da spiel ich das Spiel lieber 2x!

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